Lipödem - fatale Fettpolster an den Beinen

Um was geht es? Kurz Info für Eilige

Lipédem - Dr. med. Daniel Münch

Viele Jahre galt das Lipödem, eine symmetrische Fettvermehrung, die überwiegend an den Beinen auftritt und mit Wassereinlagerungen, Spannungs- und Druckschmerzen sowie einer erhöhten Neigung zu Blutergüssen verbunden ist, als nicht behandelbar. Einzige Massnahmen bildeten eine konsequente Entstauungstherapie mittels Lymphdrainage,  Kompression und Medikamenten. Weil viele Ärzte die Fettverteilungsstörung nicht erkennen, dauert es manchmal lange, bis Betroffene die richtige Diagnose und Therapie bekommen. Weil die schonende Methode der wasserstrahl-assistierten Liposuction bei korrekter Durchführung keine Schädigung der Lymphbahnen hervorruft, bietet sich mit dieser Technik eine Behandlungsmöglichkeit des Lipödems an. Durch die Reduktion des Unterhautfettgewebes kann eine deutliche Verminderung der Schwellneigung  und eine nachhaltige Verbesserung der Lebensqualität erreicht werden.

Wasserstrahl-Liposuction bei Lipödem

Unsere Erfahrungen und Ergebnisse mit der wasserstrahl-assistierten Liposuction zur Behandlung des Lipödems habe ich in der renommierten Fachzeitschrift "Journal für Ästhetische Chirurgie" (II/2017) publiziert. Die Studie analysiert die Sicherheit und Effizienz der WAL und vergleicht sie mit der herkömmlichen Tumeszenzliposuction. In jedem Fall konnten eine deutliche Reduktion der Unterhaut- Fettschicht und eine Verbesserung der Proportionen erzielt werden. Die Liposuktion des Lipödems mittes WAL verspricht dauerhafte und gute Ergebnisse, weil diese Operationstechnik auf die Schonung der Lymphbahnen fokussiert ist. Es lassen sich sehr oft eindrückliche Resultate bezüglich Reduktion der Schmerzen, Verminderung der Ödemneigung, Verbesserung der Körperkontur und Steigerung der Lebensqualität erzielen.

Vorkommen schon in der Antike

Statue der Grossen Göttin, Hal Tarxien, Malta
Relief Königin Punkt, Hatshepsut Tempel, Ägypten

Das Lipödem ist ein Krankheitsbild, welches immer noch vielen Laien - oft aber auch Ärzten - nicht bekannt ist. Künstlerische Darstellungen, die man heute als Lidödem interpretieren kann, gibt es bereits aus der Frühzeit der Menschheit. Es existiert eine steinerne Statue der Grossen Göttin im Tempel Hal Tarxien auf Malta (3000 v.Ch.) und ein Relief der Königin von Bunt im ägyptischen Tempel Hatshepsut in Deir el Bahar von 1500 v.Ch. Wissenschaftlich beschrieben wurde das Krankheitsbild aber erst 1940 von den amerikanischen Ärzten Allen und Hines. Die vorhandene Literatur zum Lipödem ist insgesamt immer noch eher spärlich.

Lipödem: oft spät erkannt

Sehr oft wird die Diagnose eines Lipödems gar nicht oder erst spät gestellt. Das Krankheitsbild ist, vor allem bei Ärzten der älteren Generation, eher wenig bekannt.

Lipödem: Ursache unbekannt

Lipödem - Dr. med. Daniel Münch

Das Lipödem ist eine chronische, symmetrische Fettverteilungsstörung, die zumeist an den Ober- und Unterschenkeln, manchmal auch an den Armen auftritt und praktisch nur bei Frauen vorkommt. Als Ursachen werden eine genetische Veranlagung und hormonelle Einflüsse vermutet - Faktoren also, auf die kein Einfluss genommen werden kann. Mangelnde Bewegung und zu viel Kalorien sind bei einem Lipödem nicht die wirklichen Gründe, ein Lipödem entsteht nicht als Folge wegen vermehrter Kalorienaufnahme. In der Pubertät oder während einer Schwangerschaft treten die Verdickungen an den Oberschenkel-Aussenseiten (Reiterhosen) und an den Knie-Innenseiten auf. Mit den Jahren reicht das Fett bis zu den Knöcheln und verleiht den Beinen eine säulenartige Form. Die Ursache des Lipödems ist unbekannt. Es besteht eine massive Disproportion zwischen dem Oberkörper und den Beinen, diese Patientinnen sind zumeist am Oberkörper ganz schlank, die Fettvermehrung kann isoliert nur Ober- oder Unterschenkel betreffen, sich aber auch homogen über das ganze Bein verteilen ("Säulenbein"). Die Füsse sind in der Regel frei. Zusätzlich zur Optik entwickelt sich bei den Betroffenen an Ober- und Unterschenkeln ein Spannungs- und Schweregefühl sowie eine ausgeprägte Berührungs- und Druckschmerzhaftigkeit. Die Schmerzen werden überwiegend als dumpf, drückend und schwer beschrieben. Beim Lipödem geht es nicht um eine ästhetische Behandlung, sondern es liegt eine Krankheit vor. Der Leidensdruck dieser Patientinnen, die oftmals bereits in jungen Jahren unter dem krankhaft vermehrten Fettgewebe leiden, ist enorm.

Erheblicher Leidensdruck

Lipödem - Dr. med. Daniel Münch

Die Patientinnen leiden nicht nur unter der Erscheinung, sondern auch unter dem Beschwerdebild wie Schwellneigung, Berührungsschmerzhaftigkeit und blauen Flecken schon nach geringstem Druck. Oft wirkt sich ein Lipödem aber auch auf die Persönlichkeit aus: fehlende Akzeptanz des Lipödems als Krankheit, Unwohlsein im eigenen Körper, verletzte Weiblichkeit. Das Gefühl, das Umfeld glaube, man mache zu wenig Sport oder könne eine Diät nicht einhalten. Diese Selbstzweifel haben einen negativen Einfluss auf den Aufbau eines gesunden Selbstbewusstseins. Fehlendes Selbstvertrauen beeinflusst aber viele Lebensbereiche negativ: Partnerschaft, Freundschaften, berufliches Fortkommen.

Nur Frauen betroffen

Ein Lipödem tritt ausschliesslich bei Frauen auf. Bei Männern kann ein Lipödem sehr selten nur nach ausgeprägten hormonellen Störungen, bei Leberzirrhose oder bei Tumorerkrankungen auftreten.

Erklärungsmodell für die Entstehung des Lipödems

Lipödem - Dr. med. Daniel Münch
Normalzustand: Gewebeflüssigkeit aus den Blutgefässen wird von den Lymphgefässen aufgenommen und abtransportiert
Lipödem - Dr. med. Daniel Münch
Lipödem: Durch die defekte Blutgefässwand tritt vermehrt Flüssigkeit aus, welche nicht vollständig von den Lymphgefässen aufgenommen werden kann. Die überschüssige Flüssigkeit sammelt sich im Gewebe und vor allem in den Fettzellen an
Lipödem - Dr. med. Daniel Münch
Endstadium: Die vergrösserten Fettzellen drücken auf die Lymphgefässe, wodurch der Abtransport zusätzlich behindert wird und die Schwellung der Fettzellen weiter zunimmt

Das Lipödem ist ein eigenes Krankheitsbild. Es handelt sich nicht wie bei der Fettleibigkeit um gespeichertes Reservefett: das Lipödem-Fett hat eine ganz andere Struktur und kann nicht durch Sport oder Diät abgebaut werden. Einerseits findet sich beim Lipödem eine erblich bedingte, umschriebene- Vermehrung des Unterhautfettgewebes in Form von vergrösserten Fettzellen (Hypertrophie), aber auch infolge einer vermehrten Anzahl von Fettzellen (Hyperplasie). Zusätzlich zur dieser Fettvolumenvermehrung liegt eine Störung der Flüssigkeits-Durchlässigkeit der kleinen Blutgefässe vor (dies erklärt die Neigung zu spontanen Blutergüssen). Dadurch gelangt vermehrt Flüssigkeit aus dem Blutgefässsystem in das Gewebe. Aufgrund des vermehrten Flüssigkeitsangebotes reagiert das zunächst intakte Lymphgefässsystem mit einem gesteigerten Abtransport der vermehrt anfallenden Lymphflüssigkeit. Die Dauerbelastung der Lymphgefässe führt schliesslich auch zu Schäden an den Wänden der Lymphgefässe mit dadurch bedingter Reduktion der Transportkapazität. Kann die anfallende Gewebeflüssigkeit nicht mehr ausreichend abtransportiert werden, kommt es zu Flüssigkeitsansammlungen in den Gewebezwischenräumen, vor allem aber auch in den Fettzellen. Im Laufe der Jahre entsteht eine weitere Zunahme von Unterhautfett und eiweissreichem Ödem. Dies führt zu Verhärtungen des Gewebes und der Lymphgefässwände. Dadurch kommt es zu einer weiteren Verminderung des Lymphtransportes mit der möglichen Ausbildung eines Lymphödems.

Komplexes Krankheitsbild

Bezüglich der Ursache sowie den zugrundeliegenden Krankheitsvorgängen und Funktionsstörungen des Lidödems sind immer noch viele Fragen offen.

Wie ist die Zunahme der Unterhaut-Fettschicht zu erklären?

Beim Lipödem findet sich eine Hypertrophie und eine Hyperplasie der Fettzellen (unten rechts)

«Normale» Fettzellen (Speicherfett) verändern durch Aufnahme oder Abgabe von Fett ihre Grösse. Nehmen Fettzellen an Volumen zu (Übergewicht), spricht man von einer Hypertrophie. Bleibt das Volumen der Fettzellen konstant, aber ihre Anzahl vergrössert sich, liegt eine Hyperplasie vor (übermässige Fettzellbildung). Beim Lipödem finden sich oftmals vergrösserte Fettzellen, immer aber auch eine Vermehrung dieser Fettzellen. Dass effektiv eine Vermehrung der Fettzellen vorliegt erklärt die Tatsache, dass das Fettvolumen durch Diät nicht beeinflusst werden kann.

 

Was ist die Ursache der Schmerzen beim Lipödem?

Durch die Fettvolumenzunahme entsteht ein Druck auf die Haut, was zu Schmerzen führt

Lipödem-Patientinnen leiden unter spontanen («grundlosen») Schmerzen in Form eines dumpfen Spannungsgefühls an den Beinen. Zusätzlich besteht eine Berührungs- und Druckschmerzhaftigkeit. Diese Schmerzen entstehen durch die in der Anzahl vermehrten und zusätzlich vergrösserten Fettzellen, welche einen Druck gegen die Haut bewirken. Ein Spannungsgefühl entsteht auch durch die beim Lipödem typischen Flüssigkeitseinlagerungen. Untersuchungen zeigen, dass aufgrund dieses vermehrten Gewebewassers Sinnesnerven mit Signalen an das Gehirn reagieren, welches diese Signale als Schmerz interpretiert.

 

Wie lassen sich die Schwellungen erklären?

Kompression der Lymph- und Blutgefässe durch die vergrösserten und in der Anzahl vermehrten Fettzellen

Ein typisches Kennzeichen des Lipödems sind Flüssigkeitseinlagerungen (Ödeme) im Fettgewebe, insbesondere bei warmen Wetter und nach langem Stehen oder Sitzen. Aufgrund der erhöhten Durchlässigkeit der kleinen Blutgefässe fällt viel Gewebewasser an. Diese Flüssigkeit kann durch die Lymphbahnen nicht in genügendem Masse abtransportiert werden, weil die Wände der Lymphgefässe durch die grosse Flüssigkeitsmenge geschädigt werden und weil die Bahnen durch die vergrösserten Fettzellen komprimiert werden.

 

Weshalb besteht eine verstärkte Neigung zu Blutergüssen?

Die vermehrte Brüchigkeit der Kapillaren führt zu Blutergüssen

Beim Lipödem findet sich eine ausgeprägte Neigung zu Blutergüssen (Hämatomen) schon bei geringen Stössen oder Druckbelastung. Ursache dafür ist eine vermehrte Brüchigkeit sowie Durchlässigkeit der Haargefässe (Kapillarfragilität).

 

Lipödem und Adipositas

Lipödem und Übergewicht sind zwei verschiedene Dinge. Allerdings treten sie oft zusammen auf: zirka 50% der Lipoödem-Patientinen leiden gleichzeitig unter einer Adipositas.

Die Lipödem-Patientin - nicht dick, sondern krank

Lipödem - Dr. med. Daniel Münch

Das Lipödem wird selbst von Aerzten oft übersehen oder mit einer Adipositas oder einem Lymphödem verwechselt. Dadurch haben die Betroffenen häufig einen langen Leidensweg hinter sich, bevor die richtige Diagnose und Therapiemöglichkeit empfohlen wird. Belastend für die Patientinnen sind vor allem die Beschwerden durch die Oedeme, das heisst durch "das Wasser in den Beinen". Im Laufe des Tages treten diese Schwellungen im Unterhautgewebe der Unterschenkel, nicht jedoch in den Füssen, auf. Verursacht werden sie durch eine vermehrte Durchlässigkeit der Kapillaren für Flüssigkeit und einer Behinderung des Lymphabflusses. Bei Krankheitsbeginn sind die Oedeme morgens nicht oder kaum vorhanden, abends aber deutlich sichtbar. Verstärkt wird dies durch langes Stehen oder Sitzen, besonders in der heissen Jahreszeit. Im Laufe der Jahre verstärkt sich der Befund: die Unter- und Oberschenkel sind ganztags geschwollen und werden auch über Nacht nicht mehr schlank. Durch diese Wasseransammlungen entstehen Schwere- und Spannungsgefühle sowie Berührungs- und Druckschmerzen. Diese Stauungsschmerzen zwingen dazu, sportliche Tätigkeiten zu reduzieren und allenfalls Aquagymnastik mit dem kurzen Wohlgefühl der Schwerelosigkeit zu betreiben. Durch ein Lipödem kann sich auch das Gangbild verändern: Es wird X-beinig und überlastet das Kreuz sowie die Hüft- und Kniegelenke.

Lipödem - Dr. med. Daniel Münch

Die betroffenen Frauen leiden psychisch erheblich unter ihren unproportionierten, säulenförmigen Beinen und den festen Armen. Viele Betroffene weisen sich fälschlicherweise selbst die Schuld an ihrer Figur zu. Trotz aller Massnahmen wie Diäten oder Sport nimmt das Fettgewebe an den Beinen und Armen weiter zu, allenfalls der Rumpf wird schlanker, was die bestehende Disproportion weiter verschlechtert. Diese Erkrankung ist nur operativ mittels einer wasserstrahl-assistierten Liposuction richtungsweisend und nachhaltig zu behandeln.

Krampfadern

Falls neben einem Lidödem gleichzeitig auch Krampfadern vorliegen, sollten in einem ersten Schritt zunächst die Krampfadern operiert werden.

Diagnose des Lipödems

Lipödem - Dr. med. Daniel Münch

Die Diagnose "Lipödem" lässt sich aus der Vorgeschichte, den typischen Beschwerden und der Betrachtung stellen. Das Lipödem ist selbst unter Ärzten immer noch wenig bekannt und wird oft mit einer Adipositas oder einem Lymphödem verwechselt. Das Lipödem ist eine chronische Krankheit, die ausschliesslich bei Frauen auftritt. Oft fallen die dicken Beine oder Oberarme schon in der Kindheit auf, eventuell sind die Mutter oder Tanten auch betroffen. Zu Beginn sind nur einzelne Körperabschnitte betroffen (Oberschenkel oder Waden). Die Befunde können nach der Pubertät zunehmen, manchmal treten auch Schübe mit raschen Umfangzunahmen später oder nach einer Schwangerschaft auf. Das typische Bild der Fettverteilung weist auf ein Lipödem hin: unterhalb den Hüften, am Oberschenkel aussen, -innen und -vorne. Am Knie bilden sich unschöne Polster an der Innenseite, die Waden werden säulenförmig, Stiefel passen nicht mehr. In den Waden kann sich Wasser stauen, an den Knöcheln findet sich eine Art Muffe mit Uebergang zu den eher schlanken Füssen. Durch einen Facharzt für Angiologie oder Phlebologie sollte mittels Ultraschall das Vorliegen von operationswürdigen Krampfadern ausgeschlossen werden (falls vorhanden, sollten Krampfadern in einem ersten Schritt operiert werden). Weitere Untersuchungen sind nicht notwendig, insbesondere keine Kontrastmitteluntersuchung der Lymphgefässe, weil diese dadurch geschädigt werden können und ausserdem diese Untersuchung unangenehm ist.

3 Stadien

Lipödem - Dr. med. Daniel Münch
Die 3 Stadien des Lipödems

Das Lipödem kann in 3 Stadien unterteilt werden: Im Stadium 1 ist die Haut glatt und das Unterhautfettgewebe verdickt, aber ohne Knoten. Im Stadium 2 zeigt sich die Hautoberfläche uneben, die Unterhaut ist verdickt und mit kleinen Knoten durchsetzt. Im Stadium 3 ist die Hautoberfläche sehr uneben, die Unterhaut verdickt und verhärtet, es zeigen sich grosse Fettwülste unter der Haut. Unterschieden werden muss zwischen einem Lipödem und einem Lymphödem. Ein Lipödem tritt immer beidseitig auf, verursacht Schmerzen, die Füsse bzw. die Hände sind nicht betroffen und es besteht eine Neigung zu spontanen Blutergüssen. Ursache ist eine vermehrte Einlagerung von Lymphe im Fettgewebe. Ein Lymphödem tritt meistens einseitig auf, verursacht weniger Schmerzen und die Füsse bzw. die Hände sind miteinbezogen. Ursache ist eine Schädigung des Lymphdrainagesystems.

Nur Frauen sind betroffen

Ein Lipödem tritt ausschliesslich bei Frauen auf. Bei Männern kann ein Lipödem sehr selten nur nach ausgeprägten hormonellen Störungen, bei Leberzirrhose oder bei Tumorerkrankungen auftreten.

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